

Methanol: Wie sicher sind unsere Getränke?
Anfang des Jahres 2009 geriet mit Methanol gepanschter Wodka in die Schlagzeilen:
Hiernach kamen drei Türkeiurlauber wegen des weit überhöhten Methanolgehaltes der konsumierten Spirituosen zu Tode. Das CVUA Stuttgart hat im Jahr 2009 zahlreiche Getränkearten auf Methanol überprüft. Das CVUA Stuttgart hat verschiedene Spirituosen untersucht, die Untersuchung aber auch auf Säfte, Wasser und Wein ausgedehnt. Wie die Ergebnisse zeigen, kann insgesamt Entwarnung gegeben werden, jedoch weisen die einzelnen Getränkearten sehr unterschiedliche Methanolgehalte auf, wobei auch in verschiedenen alkoholfreien Getränken gewisse Mengen an Methanol festzustellen waren.
Alkohol = Ethanol + Methanol: Was verbirgt sich hinter diesen Stoffen?
Beim Thema Alkohol in Lebensmitteln denkt der Verbraucher im allgemeinen an alkoholische Getränke wie Bier, Wein oder Spirituosen und setzt daher den Begriff Alkohol gleich mit dem bei der Gärung entstehenden Stoff Ethylalkohol (Ethanol). Allerdings umfasst die Gruppe der Alkohole eine Vielzahl von chemischen Verbindungen, von denen einige auch in der Natur - und damit auch in Lebensmitteln - vorkommen.
Erhebliche Bedeutung kommt dabei dem Methylalkohol (Methanol) zu. Es handelt sich ebenso wie bei Ethanol um eine farblose, klare, leicht brennbare Flüssigkeit. Methanol kommt im Pflanzenreich - wenn auch in geringen Mengen - weit verbreitet vor. Außerdem kann Methanol neben Ethanol in geringen Mengen bei der alkoholischen Gärung entstehen.
Wie wirkt Methanol?
Methanol wird im Körper anders als Ethanol abgebaut und weist daher eine deutlich höhere Giftigkeit auf. Die für den Menschen eigentlichen toxischen Umwandlungsprodukte des Methanols sind Formaldehyd und Ameisensäure.
Untersuchungsergebnisse
Das CVUA Stuttgart hat 360 Getränke auf ihren Methanolgehalt untersucht:
|
Getränkeart |
Anzahl Proben |
Minimalwert in mg/L |
Maximalwert in mg/L |
Mittelwert in mg/L |
|
Fruchtsaft, Fruchtnektar |
125 |
< 2 |
196 |
41 |
|
Alkoholfreie Erfrischungsgetränke |
31 |
< 2 |
89 |
6,3 |
|
Mineralwasser |
13 |
< 2 |
< 2 |
< 2 |
|
Wein |
53 |
26 |
179 |
81 |
|
Weinhaltige Getränke |
34 |
11 |
109 |
33 |
|
Likörweine |
46 |
43 |
220 |
107 |
|
Spirituosen |
54 |
32 |
4769 |
2171 |
Fruchtsaft und Methanol: Wie passt das?
Frische Früchte enthalten keine nennenswerten Mengen an Ethanol oder Methanol. Geringe Alkoholgehalte können allerdings bei der Verarbeitung der Früchte entstehen, so auch bei der Saftbereitung. Da das in den Früchten und Beeren enthaltene Pektin chemisch gesehen u.a. aus Methylestergruppen besteht, können nach dem Pressen der Früchte durch natürliche biochemische Vorgänge Spuren von Methanol abgespalten werden.
Darüber hinaus werden bei der modernen Fruchtsafttechnologie oft pektolytische Enzyme zugegeben. Damit wird die sogenannte Maische vor dem Pressen behandelt, um die Ausbeute zu erhöhen bzw. um die Pressbarkeit zu verbessern. Eine Maischebehandlung ist bei bestimmten Fruchtarten wie Kirschen oder Johannisbeeren üblich, ebenso bei Äpfeln, die aus der Vorratshaltung stammen und deshalb eine schlechtere Pressbarkeit aufweisen.
Die verwendeten Enzyme werden aus Schimmelpilzkulturen gewonnen. Ihre Verwendung im Lebensmittel muss derzeit nicht kenntlich gemacht werden. Eine weitere Enzymbehandlung wird ggf. nach der Saftbereitung bei klaren Säften durchgeführt. Damit wird erreicht, dass klare Säfte auch tatsächlich klar und „blank“ ins Glas des Verbrauchers gelangen. Dabei gibt es unterschiedliche Gehalte.
Geringere Methanolgehalte bei Streuobstsäften
Die großen Unterschiede bei den Apfelsäften sind sicherlich im Zusammenhang mit einer eventuell durchgeführten Maischebehandlung zu sehen. So muss Lagerobst auf
Grund seiner deutlich schlechteren Pressbarkeit mit Enzymen vorbehandelt werden, während Mostäpfel aus Streuobstanbau, die frisch gekeltert werden, diese Enzymbehandlung normalerweise nicht nötig haben.
Die Untersuchungen ergaben, dass baden-württembergische Apfelsäfte aus dem Streuobstanbau deutlich geringere Methanolgehalte aufwiesen als andere Apfelsäfte. Der ermittelte Maximalwert betrug bei den Streuobstsäften 59 mg/L im Vergleich zu 196 mg/L bei den anderen Apfelsäften (Im Durchschnitt 18 mg/L bei Streuobst zu 40 mg/L). Auch einige äußerst geringe Methanolgehalte von unter 10 mg/L waren vorwiegend bei den Streuobstsäften zu beobachten.
Methanol in Erfrischungsgetränken - allenfalls indirekt zugesetzt
Aus ganz anderen Gründen können Spuren von Methanol in Erfrischungsgetränken vorkommen: In diesen Erzeugnissen ist der Zusatz von Konservierungsstoffen erlaubt, z. B. Sorbinsäure, Benzoesäure, ebenso der desinfizierend wirkende Stoff Dimethyldicarbonat (DMDC). Manche Hersteller verwenden diese Zusatzstoffe, insbesondere bei Abfüllung in PET-Flaschen oder Getränkeverpackungen, welche im Gegensatz zu Glasflaschen nicht durch hohe Temperaturen keimfrei gemacht werden können.
DMDC zerfällt in wässrigen Lösungen innerhalb kürzester Zeit in Kohlendioxid und Methanol. Da DMDC im Getränk nicht mehr als solches nachweisbar ist, muss die Verwendung dieses Zusatzstoffes für den Verbraucher nicht kenntlich gemacht werden. Die zulässige Höchstmenge von 250 mg DMDC pro Liter ergibt rechnerisch einen Methanolgehalt von 120 mg/L im Getränk. Wie die Untersuchungen zeigen, machte lediglich ein Hersteller von dieser Möglichkeit Gebrauch: so wies dieses Getränk einen Methanolgehalt von 89 mg/L auf, während die anderen Erfrischungsgetränke im allgemeinen Gehalte unter 10 mg/L hatten.
Mineralwasser: Methanol-frei!
Ähnlich wie bei den Erfrischungsgetränken wäre auch bei natürlichem Mineralwasser oder Quellwasser ein DMDC-Zusatz denkbar. In diesen Produkten ist jedoch eine Desinfektion bzw. Konservierung nicht zulässig. Da Mineral- und Quellwasser von Natur aus äußerst arm an organischen Stoffen sind, ist eine Desinfektion auch nicht erforderlich. Die Untersuchung von 13 Proben bestätigte diese Vermutung: In keiner der Proben war das Zerfallsprodukt Methanol enthalten.
Methanol im Wein: Wie kommt’s rein?
Ähnlich wie beim Fruchtsaft entsteht Methanol weitgehend während des enzymatischen Abbaus des fruchteigenen Pektins. Wenn der Wein auf der Maische stehengelassen wird, kann der Methanolgehalt weiter ansteigen. Diese Tatsache erklärt den höheren Methanolgehalte von Rotweinen, die auf der Maische vergoren wurden. Ebenso bewirkt das „Ziehenlassen“ der Maische bei weißen Bukettsorten eine Methanolerhöhung.
Die im Rahmen dieses Projektes festgestellten Methanolgehalte lagen zwischen 26 und 179 mg/L. Rotweine wiesen mit durchschnittlich 93 mg/L höhere Gehalte auf, als Weißweine mit durchschnittlich 64 mg/L.
Sherry, Portwein & Co
Im Rahmen des Projektes wurden 22 Sherry-Likörweine untersucht, deren Alkoholgehalt zwischen 15 und 17 % vol liegt. Der Methanolgehalt von durchschnittlich 57 mg/L ist somit wahrscheinlich in erster Linie auf den Methanolgehalt des zur Herstellung verwendeten Weines zurückzuführen.
Bei der Herstellung von Portwein wird der noch gärende, süße Traubenmost mit hochprozentigem Alkohol versetzt. Auf diese Weise wird ein Likörwein gewonnen, der 19 –22 % vol Alkohol aufweist und immer noch süß ist. Bei der Herstellung von Portwein wird vergleichsweise viel Alkohol bei der Aufspritung zugesetzt. Als Alkoholquelle wird in der Regel Weindestillat verwendet. Dieses enthält herstellungsbedingt erhöhte Mengen an Methanol, was hauptsächlich zu den festgestellten Methanolgehalte von bis zu 220 mg/L beiträgt.
Spirituosen - die Methanolspitzenreiter
Während es für Wein, weinhaltige Getränke und Likörwein keine gesetzlichen Höchstmengen für Methanol gibt, sind diese für den Bereich der Spirituosen gesetzlich geregelt. So darf z. B. Wodka nicht mehr als 10 mg Methanol pro 100 ml reinen Alkohol haben. Das entspricht bei einem Wodka mit 40 % vol Alkohol einem Methanolgehalt von 40 mg/L.
In den letzen Jahren lag am CVUA Stuttgart kein Wodka vor, dessen Methanolgehalt auffällig erhöht war. Im Gegensatz zu Wodka kann ein Obstbrand wie z. B. Williamsbirnenbrand bis zu 1350 mg Methanol pro 100 ml reinen Alkohol enthalten. Das entspricht bei einem Erzeugnis mit 40 % vol Alkohol 5400 mg/L.
Ohne Ethanol sind solche Mengen Methanol kritisch zu sehen. Da in Obstbränden jedoch reichlich Ethanol enthalten ist, sind diese Mengen unbedenklich. Diese Tatsache ist darauf zurückzuführen, dass bei gleichzeitiger Aufnahme von Ethanol das Methanol nicht zu den eigentlich toxisch wirkenden Substanzen Ameisensäure und Formaldehyd umgewandelt wird. Das dafür verantwortliche Enzym ist bei der Aufnahme von Spirituosen in erster Linie mit dem Abbau von Ethanol ausgelastet.
Auch bei Obstbränden stammt das Methanol aus dem enzymatischen Pektinabbau der verwendeten Früchte. Obstbrände werden nach vollendeter Gärung destilliert, wobei neben Ethanol u.a. auch Methanol im Destillat angereichert wird. Daher sind bei Obstbränden die Gehalte an Methanol deutlich höher als in den anderen untersuchten Produktgruppen. Bei allen untersuchten Obstbrandproben lagen die Methanolgehalte unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten.
Methanol pur ist giftig - Lebensmittel mit Methanol ebenfalls?
Mit den ermittelten Methanolgehalten in Getränken lässt sich abschätzen, dass die Methanolaufnahme dadurch einige hundert Milligramm pro Tag betragen kann. Für eine gesundheitliche Bewertung muss berücksichtigt werden, dass der menschliche Körper laut Literaturangaben selbst Methanol im Stoffwechsel bildet und zwar in der Größenordnung von 300 bis 600 Milligramm pro Person und Tag. Außerdem gelangt durch die Aufnahme von pektinhaltigen Lebensmitteln weiteres Methanol in den Blutkreislauf. In allen drei Fällen liegen die Gehalte jedoch deutlich unter den in der Literatur beschriebenen Werten von 2000 bis 4000 mg, ab denen bei einem gesunden Erwachsenen mit einer Gesundheitsschädigung zu rechnen ist.
Resumée: Entwarnung
Toxikologisch sind die vom CVUA Stuttgart ermittelten Gehalte in den untersuchten Getränken kaum relevant. Diese Lebensmittel sind in Bezug auf Methanol als sicher und somit als verkehrsfähig zu beurteilen. Gleichwohl ist aus gesundheitlicher Sicht anzustreben, technologisch vermeidbare Gehalte, insbesondere bei Getränken, welche von Kindern konsumiert werden, zu minimieren. Dazu kann ein Verzicht auf DMDC ebenso beitragen wie der vernünftige, sparsame Einsatz von Enzympräparaten bei der Fruchtsaftherstellung sowie die sorgfältige Abtrennung von methanolhaltigem Vorlauf bei Spirituosen.
Weitere Informationen und Quellen
Langversion des Artikels auf der Homepage der CVUAs
Autoren: Dr. Gerhard Braun, Katrin Zur
Quelle: Chemische und Veterinäruntersuchungsämter





"Komm in Form" -Ernährungs-
