

Essen (fast) wie die Großen - Wenn aus Säuglingen Kleinkinder werden
Gegen Ende des ersten Lebensjahres (10. bis 12. Lebensmonat) nimmt ihr Kind immer aktiver am Familienleben teil. Es schläft weniger, bewegt sich zunehmend im Raum und beobachtet ganz genau was um es herum geschieht.
Ihr Kind liebt das gemeinsame Essen mit der Familie. Sobald es sich alleine aufsetzen und frei sitzen kann, nimmt es im kippsicheren Hochstuhl an der Essgemeinschaft teil. So wird es neugierig auf das Essen der Eltern und Geschwister, auch wenn es vorher schon seine eigene Mahlzeit gegessen hat. Körperlich ist Ihr Kind so weit entwickelt, dass es langsam immer mehr vom Familienessen mitessen kann. Anfangs reichen trockene Nudeln, Kartoffel- oder weiche Gemüsestücke. Soll es noch nichts vom eigenen Teller bekommen, knabbert es an einem ungesüßtem Zwieback oder einer Reiswaffel.
Kinder entwickeln sich in diesem Alter sehr unterschiedlich. Manche Kinder sind mehr am Laufen lernen und „Neues“ entdecken interessiert, andere am selbstständig Essen lernen. Gehen Sie auf das Interesse ihres Kindes ein, aber drängen Sie es nicht. Bis ihr Kind etwa 18 Monate alt ist, hat es Zeit, sich langsam an das normale Familienessen zu gewöhnen. Der Entwicklungskalender für Essanfänger liefert Anhaltspunkte, wann ihr Kind Fertigkeiten entwickelt, die es für das selbstständige Essen braucht.
Kauen macht Spaß
Die ersten Zähnchen sind durchgebrochen und sollten nun Arbeit bekommen. Die Speisen werden gröber, bleiben aber immer noch relativ weich. Pürieren Sie die Breie nicht mehr, sondern zerdrücken Sie sie nur noch mit der Gabel - am Anfang ganz fein, später immer gröber - so erleichtern Sie den Übergang zur festen Kost. Das ist für den empfindlichen Rachen angenehmer, als fertige Gläschen mit großen Stücken. Auch Brot lässt sich schon gut essen. Feste Lebensmittel, wie z.B. Karotten- oder Kohlrabistücke, kann ihr Kind erst kauen, wenn die Backenzähne durchgebrochen sind und seine Mundmotorik gut ausgebildet ist.
Tipp: Kauen lernen ist wichtig für die Kleinen, denn es trainiert den ganzen Kauapparat und die Mundmuskulatur, die auch beim Sprechen eine Rolle spielen.
Hinweise für erste Kauversuche
Selbstständig essen - mit allen Sinnen
Erschrecken Sie nicht, wenn Ihr Kind trotz offensichtlichem Hunger plötzlich den Kopf zur Seite wendet, oder ihre Hand mit dem gefüllten Löffel wegstößt. Vermutlich will es nur selbstständig essen. Mit dem eigenen Löffel oder einigen Nudeln oder Brot in den Händen des Kindes entspannt sich die Lage schnell.
Tipp: Essen ist eine Sinneserfahrung – Ihr Kind wird Essen mit beiden Händen im wahrsten Sinne des Wortes begreifen. Lassen Sie Ihr Kind ruhig ein wenig experimentieren, aber setzen Sie Grenzen, wenn zu sehr gematscht wird.
Wie lernen Kinder selbst essen?
Der Mahlzeitenrhythmus ändert sich
Mit ungefähr 11 Monaten weiß ihr Kind bereits ganz gut, dass die täglich wiederkehrenden Mahlzeiten seinen Tag gliedern. Sie geben ihm Sicherheit und machen es ausgeglichen. So weiß es beispielsweise, dass es nach dem Abendessen lange schläft, während es nach dem Mittagessen nur kurz schläft. In dem Maße wie Ihr Kind an den Familienmahlzeiten teilnimmt, verändert sich nun auch der Mahlzeitenrhythmus: Aus bisher vier gleich großen Milch- und Breimahlzeiten werden 3 Hauptmahlzeiten (morgens, mittags, abends) und 2 Zwischenmahlzeiten (vormittags, nachmittags). Am Anfang wird die Änderung vielleicht für Unruhe sorgen, mit Geduld werden sich alle daran gewöhnen.
Sinnvolle Umstellung der einzelnen Mahlzeiten
Abwechslung darf sein !
Bisher war die Ernährung Ihres Säuglings eher eintönig - aus gutem Grund. Die zurückliegenden Monate dienten dazu, das Kind mit Lebensmitteln vertraut zu machen und ganz langsam und vorsichtig an Neues zu gewöhnen.
Jetzt ist ihr Kind soweit, sich nach und nach die Welt der Lebensmittel zu erobern. Neugierige Kinder erweitern nun recht schnell ihren Erfahrungsschatz an Geschmack, „konservative“ dürfen sich ganz langsam und vorsichtig an neue Geschmacksrichtungen gewöhnen. Neue Gemüsearten (z.B. Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, Fenchel, Aubergine, Zucchini, Mais, Erbsen) dürfen auf dem Speiseplan stehen, neue Obstarten (z.B. Melone, Pfirsich, Nektarine, Aprikose, Heidelbeere) können ausprobiert werden. Statt Kartoffeln können auch Nudeln oder Reis ausgewählt werden.
Lehnt ihr Kind Neues total ab, überfordern Sie es nicht und haben Sie Geduld. Vermutlich erweitert es gerade in einem anderen Lebensbereich seine Fähigkeiten, z.B. lernt es Laufen. Dann gibt ihm der bekannte Essensgeschmack Sicherheit. Mischen Sie einfach einige Löffel einer neuen Gemüseart unter das übliche Mittagessen. So bleibt das Bewährte erhalten, das Neue wird langsam akzeptiert.
Tipp: Seien Sie noch vorsichtig mit dem Würzen. Normal gewürzte Lebensmittel der Eltern, wie z.B. Brot, Pellkartoffeln oder trockene Nudeln, verträgt ihr Kind jetzt schon gut. Seine warme Mahlzeit sollte aber nach wie vor möglichst ungewürzt bleiben – zu schnelles Umstellen auf gewürzte Kost überfordert den Geschmackssinn und den Verdauungstrakt.
Trinken will gelernt sein
Solange die Babybreie relativ flüssig sind, kommen viele Kinder mit recht wenig Trinken aus. Sobald die Nahrung fester wird, ändert sich das. Spätestens jetzt sollte Ihr Kind zu trinken beginnen - 2 bis 3 große Gläser täglich sind ideal.
Am besten bieten Sie Ihrem Kind zu jeder Mahlzeit und auch dazwischen Getränke im Becher oder Glas an. Daraus kann es mit Ihrer Unterstützung jetzt schon gut trinken. Das Fläschchen braucht es nur noch für seine Milch. Unterwegs kann ein auslaufsicherer Trinklernbecher eine Alternative sein.
Optimale Getränke sind Leitungs- oder Mineralwasser, aber auch ungesüßter Kräuter- oder Früchtetee oder sehr stark verdünnte Saftschorlen.
Wenn Ihr Kind nicht trinken mag, versuchen Sie es doch mal mit unseren Trinktipps.
Quellen und weitere Informationen :
Informationen über Säuglinge im Infodienst Ernährung der Landwirtschaftsverwaltung
Broschüre "Von Anfang an mit Spaß dabei", Ministerium für Ernährung und Ländlicher Raum Baden-Würrtemberg, 2007 (pdf, 2,4 MB)
Ernährung von Säuglingen, fke, 2007
Ernährung von Säuglingen, aid, 2006
Gätjen, E.: Essenspaß für kleine Kinder, Trias, Stuttgart 2008
Largo, Remo H.: Babyjahre, Piper, Okt. 2007
www.kindergesundheit-info.de
Autorin: Sigrid Fellmeth, Dipl.oec.troph; BeKi -Fachfrau
Quelle: Infodienst der Landwirtschaftsverwaltung





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