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Bitterschokolade: Cadmium - ein Thema?
Bittere Schokolade liegt derzeit voll im Trend: intensiver Geschmack, weniger Zucker, weniger Kalorien, dafür aber mehr Kakaobestandteile als andere Schokoladesorten. Kein
Wunder steigt der Marktanteil an dunkler Schokolade seit 2002 in fast ganz Europa unvermindert an.
Problem Cadmium
Durch die steigende Nachfrage nach Bitterschokoladen rückt aber auch das Problem Cadmium in Schokoladen wieder verstärkt in den Blickpunkt des Interesses. "Cadmium und Kakao" war deshalb auch ein Thema in den Medien. Seit vielen Jahren ist bekannt, dass insbesondere Edelkakaosorten aus Südamerika hohe Cadmiumgehalte aufweisen können. Ursache für die erhöhte Cadmiumbelastung der südamerikanischen Kakaobohnen sind die naturgemäß hohen Cadmiumgehalte der dortigen vulkanischen Böden. Je höher der Kakaoanteil in der Schokolade, das heißt, je bitterer die Schokolade, um so höher auch deren Cadmiumgehalt.
Unsere Untersuchungen und Ergebnisse
Die verstärkte Nachfrage nach Bitterschokoladen veranlasste die Chemischen und Veterinäruntersuchungsanstalten, im Zeitraum von November 2005 - März 2006, insgesamt 70 Schokoladen auf ihre Cadmiumgehalte zu untersuchen. 51 dieser Proben enthielten hohe Kakaoanteile zwischen 45% und 86%. (Zum Vergleich: in Vollmilchschokoladen beträgt der Kakaoanteil nur 30%.)
Je nach ermittelten Gehalten wurden die Schokoladen in Kategorien mit geringem Gehalt, leicht erhöhtem Gehalt, erhöhtem und deutlich erhöhtem Gehalt eingeteilt.
23 Proben wiesen Cadmiumgehalte von mehr als 0,2 mg/kg auf. Betroffen waren ausnahmslos Bitterschokoladen mit einem Kakaogehalt von 60% und mehr. 16 dieser Schokoladen wurden laut Angaben auf dem Etikett aus südamerikanischen Kakaobohnen hergestellt, bei den übrigen war die Herkunft unbekannt.

Bewertung der Ergebnisse
Rechtlich verbindliche Grenzwerte für Cadmium in Schokolade gibt es derzeit nicht. In der EU-Kontaminantenverordnung gibt es zwar Cadmium-Grenzwerte für Fleisch, sogar für Pferdefleisch, für Muscheln und für Kopffüßler, auch für Getreide, Kleie und Gemüse und weitere Lebensmittel, nicht aber für Kakao und Schokolade. Auch nationale Regelungen zur Bewertung von Cadmium in Schokolade existieren nicht.
Als Beurteilungsgrundlage können lediglich die Richtwerte der Zentralen Erfassungs- und Bewertungsstelle für Umweltchemikalien (ZEBS) herangezogen werden. Sie sind jedoch rechtlich nicht verbindlich und können lediglich den Überwachungsbehörden und den Herstellern aufzeigen, ab welcher Höhe überdurchschnittlich hohe Schadstoffkonzentrationen in Lebensmitteln vorliegen. Für Schokolade liegt dieser Richtwert bei 0,30 mg Cadmium/kg.
9 der 70 untersuchten Proben überschritten diesen Richtwert. Davon lagen bei 7 Proben die Cadmiumgehalte zwischen 0,30 und 0,39 mg/kg, 2 Proben lagen mit 0,52 mg/kg bzw. 0,49 mg/kg deutlich über diesem Wert.
Abschätzung des Gesundheitsrisikos
Cadmium zählt zu den Schwermetallen und wird im Körper angereichert. Es schädigt die Nieren, greift die Knochen an und gilt vor allem als krebserregend.
Der ADI-Wert (Acceptable Daily Intake) einer Substanz ist definiert als die auf ein Kilogramm Körpergewicht bezogene Menge, die ein Mensch nach derzeitigem Stand des Wissens täglich ohne gesundheitliche Schädigung mit der Nahrung ein Leben lang aufnehmen kann. Für Cadmium liegt der ADI-Wert bei 1 µg/kg Körpergewicht/Tag. Ein 70 kg schwerer Mensch kann folglich, ohne dass gesundheitliche Schäden zu erwarten sind, täglich bis zu 70 µg Cadmium aufnehmen. Durch den Verzehr einer ganzen Tafel Bitterschokolade (100 g) mit einem Cadmiumgehalt von 0,5 mg/kg wird der ADI-Wert damit zu 71% ausgeschöpft.
Von Rauchern einmal abgesehen, wird Cadmium hauptsächlich über die Nahrung aufgenommen, vor allem über Getreide und Gemüse. Legt man eine durchschnittliche Cadmium-Grundbelastung über die Nahrung in Höhe von ca. 30% des ADI-Wertes (EU-Experten-Bewertung vom März 2004 -SCOOP-Bericht) zugrunde, wird bei zusätzlichem täglichen Konsum einer Tafel Bitterschokolade mit 0,5 mg Cadmium/kg der ADI-Wert gerade ausgeschöpft.
Fazit
Bitterschokoladen aus südamerikanischen Kakaosorten weisen in der Regel höhere Cadmium-Gehalte auf als solche aus afrikanischem Kakao. Bei täglichem Verzehr einer ganzen Tafel Bitterschokolade mit deutlich erhöhtem Cadmium-Gehalt kann der ADI-Wert erreicht, unter Umständen sogar überschritten werden. Mit der Überschreitung solcher Vorsorgewerte sind zwar noch nicht zwangsläufig Gesundheitsschäden verbunden, trotzdem sollte auch beim Verzehr von Bitterschokolade der Grundsatz gelten: Genuss ja, aber in Maßen, nicht in Massen!
Weitere Informationen
Thema "Schadstoffe" im Infodienst Ernährung der Landwirtschaftsverwaltung
Bild: Gestapelte Schokoladenstückchen der Sorten "Nuss", "Zartbitter" und "Weiß", Fotograf André Karwath, 2005. Dieses Bild wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.
Quelle: Chemische und Veterinäruntersuchungsämter




