

Was Kinder wirklich brauchen - Esspedition Schule
Wer sich die Werbung für Kinderlebensmittel ansieht, hat fast das Gefühl, eine ganze Kindergeneration
sei von Mangelernährung bedroht. Studien bringen Trinken, Vitaminversorgung oder einzelne Lebensmittelinhaltsstoffe in direkten Zusammenhang mit geistiger Leistungsfähigkeit und Konzentrationsvermögen. Gleichzeitig liegen immer neue alarmierende Nachrichten über zunehmendes Übergewicht auch schon im Grundschulalter vor.
Was brauchen Kinder im Hinblick auf Essen und Trinken wirklich?
Die Nahrungsbausteine
Jeder Mensch braucht Energie, um seinen Stoffwechsel am Laufen zu halten und Zellsubstanzen aufzubauen, um sich zu bewegen, zu verdauen, zu denken. Gemessen wird diese Energie in Kilokalorien oder in Kilojoule.
Geliefert wird sie durch drei Ernährungsbausteine:
- Kohlenhydrate
- Eiweiß
- Fett
Auf den ersten Blick sehen Sie einem Kind höchstens an, ob es über oder unter seinem Energiebedarf gegessen hat. Denn ein Zuviel lässt die Fettpolster wachsen, ein Zuwenig lässt die Rippen hervortreten. Als Beurteilung einer gesunden Ernährung reicht das aber nicht aus. Denn welchen Anteil die drei Bausteine Eiweiß, Kohlenhydrate und Fett haben, ist für die Versorgung ganz entscheidend.
Kohlenhydrate
Über die Hälfte der Energie sollten die Kohlenhydrate liefern: Sie sind vom Stoffwechsel besonders leicht in Energie umzuwandeln.
Sie kommen vor allem in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Getreideflocken, Brot, Nudeln, Gemüse und Obst enthalten eine Menge lebensnotwendiger Substanzen wie Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe und Bioaktivstoffe. Die schützen nämlich auch die Pflanze. Je höher der Anteil an naturbelassenen Kohlenhydraten ist, desto mehr dieser wertvollen Stoffe sind enthalten. Folglich ist der Anteil in Vollkornmehl höher als in Weißmehl, im Apfel höher als in Apfelsaft, in Haferflocken höher als in süßen Cerealien und in Pellkartoffeln höher als in Pommes.
Ein Kind kann seinen Kohlenhydrathunger aber auch mit Zucker stillen. Der ist nämlich Kohlenhydrat pur. Das ist wohl nicht schädlich, aber dabei kommen die anderen wertvollen Inhaltsstoffe zu kurz. Verbieten muss und kann man Zucker nicht. Aber zuckerreiche Limonaden oder Knabberzeug in Massen verderben den Appetit auf das „richtige" Essen, fördern Karies und liefern außer Energie keine anderen Nährstoffe.
Fett
Fett ist Energiespeicher und liefert pro Gramm doppelt so viele Kalorien wie Kohlenhydrate und Eiweiß. Es ist in unserer Nahrung überall vertreten: unsichtbar in Käse, Wurst, Gebäck, Schokolade, Nüssen und vielen anderen Lebensmitteln, sichtbar in Butter, Margarine, Öl, Speck. Es macht satt, schmeckt gut, sollte aber nicht mehr als ein Drittel der Energiezufuhr ausmachen.
Neben den fettlöslichen Vitaminen E, A, D und K versorgt uns Fett mit einigen Fettsäuren, die unser Körper nicht selber bauen kann, den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Die Empfehlungen lauten: Eher pflanzliches Fett und mehrfach ungesättigte Fettsäuren bevorzugen, vor allem in Form von Raps- und Olivenöl. Die versteckten Fette reduzieren, also auch bei Kindern eher Milchprodukte mit 1,5 % Fett bevorzugen, Käse unter 40% Fett i. Tr. und fette Süßigkeiten und Knabbereien reduzieren. Nüsse und Kerne in Maßen liefern dagegen wertvolle ungesättigte Fettsäuren.
Eiweiß
Vom dritten Baustein Eiweiß brauchen wir am wenigsten – etwa 12-15% reichen völlig aus. Er liefert in erster Linie Baumaterial für unsere Zellen. Durch Milchprodukte, Ei, Fleisch und Fisch bekommen auch Kinder mehr als genug Eiweiß, um ihre Körperzellen aufzubauen. Auch in pflanzlichen Lebensmitteln wie Nüsse, Hülsenfrüchte, Pilze, Getreide und Kartoffeln ist es reichlich enthalten.
Um den Tagesbedarf zu decken ist eine Mischung aus pflanzlichem und tierischem Eiweiß am günstigsten. Auch eine vegetarische Ernährung mit Milchprodukten, Vollkorn und Hülsenfrüchten kann deshalb leicht den Eiweißbedarf decken. Überschüsse werden vom Körper zur Energiegewinnung genutzt.
Ebenfalls wichtig: manche Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und Getränke
Vitamine
Einige Vitamine der B-Gruppe (Folsäure, B1, B2) und Beta-Karotin sind eher knapp. Wenn ein Kind aber regelmäßig Vollkornprodukte oder Knabbernüsse und -kerne, Kartoffeln, Milch, Joghurt oder Käse, frisches Obst und Gemüse isst, kann der Bedarf gedeckt werden. Vitamine sind hitze-, licht- und luftempfindlich. Je häufiger das Essen frisch zubereitet wird und Rohkost auf dem Speiseplan steht, desto mehr Vitamine kommen auf den Tisch.
Tipps für den Schulalltag: Eine Apfelkiste im Klassenzimmer ist durch Umlage zu finanzieren und verbessert die Vormittagsversorgung. Vielleicht ist die „Patenschaft" eines Bauernhofes möglich?
Mineralstoffe
Mineralstoffe sind nicht so empfindlich. Trotzdem bekommen deutsche Kinder von zwei Mineralstoffen nicht genug: Calcium und Jod. Calcium lagern wir in unseren Knochen ein – es ist unser lebenslanger Vorrat. Deshalb büßen wir eine schlechte Versorgung erst im Alter, wenn Knochenbrüchigkeit, Osteoporose, auftritt. Kinder trinken heutzutage viel zu wenig Milch: etwa 0,5 Liter hat so viel Calcium wie ein Kind braucht.
Jod wiederum ist in unserem Grundwasser und unseren Lebensmitteln wenig enthalten. Die Folge einer Unterversorgung kann langfristig eine Kropfbildung sein. Hier hilft die Verwendung von jodiertem Speisesalz und der Verzehr von Seefisch.
Und die übrigen Mineralstoffe? Kein Problem – nur bei extrem vegetarischer Kost kann z. B. Eisen zu kurz kommen.
Tipps für den Schulalltag: Schulmilch ist toll, aber an enge Regeln gebunden und bei Kindern nicht immer der Hit. Machen Sie sich für frische Milchprodukte im Schulkiosk stark.
Ballaststoffe
Ballaststoffe sorgen für eine gesunde Darmflora, eine zügige, schonende Verdauung und Bindung von schädlichen Substanzen. Sie gehören zu den sog. Bioaktivstoffen, die erst in den letzten Jahren in den Fokus der Forschung gerieten. Diese Stoffe wie Milchsäure oder pflanzliche Inhaltsstoffe (u. a. Carotinoide, Phenole, Sulfide) sind nicht lebensnotwendig, aber sie erhalten die Gesundheit und stärken die Abwehrkräfte. Ernährungswissenschaftler jubeln über diese neuen Erkenntnisse. Denn sie beweisen, dass es nicht gleichgültig ist, ob wir Vitamine als Pille oder im Apfel zu uns nehmen.
Tipps für den Schulalltag: Studentenfutter aus Nüssen, Kernen, Trockenfrüchten als Nervennahrung sind eine tolle Alternative zu Riegeln und lassen sich ungekühlt im Schraubglas lagern.
Getränke
Trinken ist ebenso wichtig wie Essen – vor allem für Kinder. Denn sie haben einen viel höheren Flüssigkeitsbedarf als Erwachsene und kommen meist zu kurz. Vorschulkinder brauchen mindestens 1 Liter Flüssigkeit, Grundschulkinder 1,25 Liter.
Der beste Durstlöscher ist Wasser – aus der Flasche oder frisch aus der Leitung „gezapft". Aber auch wenig oder ungesüßte Tees oder verdünnte Fruchtsäfte sind gut gegen Durst und die gesündere Alternative zu bunten Limos, Nektaren oder Vitaminsäften.
Tipps für den Schulalltag: In der Schule sollten Kinder Leitungswasser trinken dürfen. Dazu braucht jeder „seinen" Trinkbecher, der in der Schule an einem sauberen Platz bleibt. Optimal wäre ein Trinkbrunnen, z. B. auf dem Schulhof.
Weitere Informationen
Esspedition Schule, Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, Neuauflage 2008
Quelle: Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum





"Komm in Form" -Ernährungs-
