

Lebensmittel mit Zusatznutzen - Functional Food (Funktionelle Lebensmittel)
Cholesterinsenkende Margarine, Appetit zügelnde Milchprodukte und
probiotische Wurst - Lebensmittel mit Zusatznutzen, sog. funktionelle Lebensmittel (Functional Food) boomen auf dem Markt. Doch was verbirgt sich hinter Functional Food?
Was ist Functional Food?
Functional Food oder funktionelle Lebensmittel sind Lebensmittel, die über die reine Nährfunktion hinaus eine positive Wirkung auf die Gesundheit oder das Wohlbefinden haben sollen. Funktionelle Lebensmittel zählen nicht zu den Arzneimitteln. Eine rechtlich verbindliche Begriffsdefinition gibt es bisher jedoch noch nicht. Die von der EU-Kommission eingerichtete Arbeitsgruppe FUFOSE (Functional Food Science in Europe) hat folgende Kriterien für Functional Food vorgeschlagen:
- Sie müssen einen nachweisbaren positiven Effekt auf den Gesundheitsstatus oder das Wohlbefinden haben und/oder zu einer Verringerung von Krankheitsrisiken beitragen
- Sie stellen übliche Lebensmittel dar (Joghurt, Brot, etc.) und werden nicht wie Nahrungsergänzungsmittel in arzneimittelähnlichen Darreichungsformen (Kapseln, Pillen, etc.) angeboten.
- Sie sollen Bestandteil der normalen Ernährung sein und ihre Wirkungen bei üblichen Verzehrsmengen entfalten.
Beispiele für funktionelle Lebensmittel
Lebensmittel mit probiotischen Milchsäurebakterien
Probiotische Lebensmittel enthalten lebende Milchsäurebakterienkulturen, die unverdaut in den Dickdarm gelangen und dort einen positiven Effekt auf die Darmflora ausüben. Durchfall, Völlegefühl oder Verstopfung treten seltener auf. Diese positiven Wirkungen sind allerdings nur bei regelmäßigem Verzehr, das heißt täglich oder wenigstens mehrere Tage hintereinander, zu erwarten.
Die probiotischen Milchsäurebakterien werden nicht nur Joghurt, sondern auch Quark, Käse, Eis, Wurst, Saft und Säuglingsnahrung zugesetzt.
Lebensmittel mit präbiotischen Ballaststoffen
Präbiotika oder Prebiotika sind langkettige Kohlenhydrate (Ballaststoffe), die im menschlichen Körper nicht verdaut werden können. Sie regen die Vermehrung und/oder die Aktivität der erwünschten Milchsäure- und Bifidobakterien im Darm an. Zu den Präbiotika zählen u. a. Inulin und Oligofruktose, die vor allem Milcherzeugnissen, Müsli und Brot, aber auch Getränken, Fertiggerichten und Säuglingsnahrung zugesetzt werden. Die präbiotische Wirkung ist aber erst ab einer Mindestmenge von vier bis fünf Gramm Inulin oder Oligofruktose pro Tag zu erwarten. Präbiotika und Probiotika werden oft kombiniert zugesetzt.
Lebensmittel mit sekundären Pflanzenstoffen
In funktionellen Lebensmitteln werden Zutaten aus Rohstoffen, die reich an sekundären Pflanzenstoffen sind oder Extrakte daraus, eingesetzt. Aus der Bezeichnung „Extrakt“ allein lässt sich aber nicht auf Art und Menge der Inhaltsstoffe schließen. Es können Farb-, Aroma-, Nähr- oder sonstige physiologisch mehr oder weniger wirksame Stoffe bzw. Stoffgemische sein.
Erfrischungsgetränke mit Grüntee-Extrakt werden beispielsweise mit einer Steigerung des Wohlbefindens beworben. Bei anderen Erfrischungsgetränken werden Extrakte aus arzneilich wirksamen Pflanzen eingesetzt. Diese müssen für den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich und ohne Nebenwirkungen sein.
Mit pflanzlichen Sterolen angereicherte Margarine soll dazu beitragen, den Cholesterolspiegel (früher Cholesterinspiegel) zu senken.
Lebensmittel mit Vitaminen und Mineralstoffen
Häufige Zusätze in Lebensmitteln sind Mineralstoffe wie beispielsweise Kalzium, Magnesium, Eisen und Zink. Bei den Vitaminen sind vor allem ACE-Getränke bekannt. Sie enthalten Zugaben der Vitamine A (Beta-Karotin), C und E, die zu den Antioxidantien zählen. Diese sollen die Zellen vor der Schädigung durch sogenannte freie Radikale schützen. Die antioxidative Wirkung ist allerdings nicht höher als in anderen Säften. Vitamin D-Zusätze – zum Teil in Kombination mit Kalzium – werden im Hinblick auf die Knochenfestigkeit angepriesen.
Lebensmittel mit Omega-3-Fettsäuren
Omega-3-Fettsäuren sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die natürlicherweise in fettem Seefisch (Thunfisch, Makrelen, Hering, Lachs) und in einigen Pflanzenölen (Raps-, Walnuss-, Leinöl) vorkommen. Sie sind für den Menschen lebensnotwendig und ihnen wird eine bedeutsame Schutzfunktion vor Herz- /Kreislauferkrankungen zugeschrieben. Für diese vorbeugende Wirkung sind aber deutlich höhere Verzehrsmengen erforderlich als für die „Bedarfsdeckung“. Zu den Lebensmitteln, die mit Omega-3-Fettsäuren angereichert sind, gehören Brot, Erfrischungsgetränke, Margarine und Eier.
Wie ist die Werbung geregelt?
Funktionelle Lebensmittel versprechen Gesundheit und Wohlbefinden durch den regelmäßigen Verzehr von Produkten, die auf jeder Einkaufsliste zu finden sind. Laut Health Claims Verordnung müssen künftig alle nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben zugelassen sein. Dafür müssen sie durch allgemein anerkannte wissenschaftliche Nachweise abgesichert sein. Angaben zur Verringerung eines Krankheitsrisikos bedürfen einer Einzel-Zulassung.
Generell unterliegt die Werbung für funktionelle Lebensmittel den allgemeinen Anforderungen des Täuschungsschutzes und des Irreführungsverbots.
Ein abwechslungsreicher Speiseplan bildet die Grundlage für eine ausgewogene und gesunde Ernährung. Bei gesundheitsbezogenen Angaben muss darauf ebenso hingewiesen werden wie auf die Bedeutung einer gesunden Lebensweise.
Weitere Informationen und Quellen
Lebensmittel zur Senkung des Cholesterinspiegels
Was sind Funktionelle Lebensmittel? Chemische und Veterinäruntersuchungsämter, Zugriff am 23.04.09
www.health-claims-verordnung.de
Ernährungs Umschau 03/2009: Functional Food - Rechtliche Probleme?
Funktionelle Lebensmittel bei eufic.org, Zugriff am 22.04.09
Rhw management 09/2008: Der Supermarkt als Apotheke?
Verbraucherzentrale Bundesverband Pressemitteilung 06/2007: Cholesterinsenkende Lebensmittel: Teuer, meist überflüssig - und trotzdem gekauft
Autor: Sarah Bachmann, Bildautor: Friederike Wöhrlin
Quelle: Infodienst der Landwirtschaftsverwaltung
"Komm in Form" -Ernährungs-
